Wohnraum-Steuer: Gerecht oder Belastung?

In Deutschland wird der Immobilienmarkt durch verschiedene Faktoren beeinflusst, unter anderem durch die Baukosten und den zunehmenden Trend zum Home-Office, der die Nachfrage nach Wohnraum und damit die Immobilienpreise verändert. Vor kurzem hat der Nachrichtensender WELT die Diskussion um die Einführung einer Wohnraum-Steuer wieder entfacht. Das Umweltbundesamt hat darauf hingewiesen, dass große Wohnungen nicht nachhaltig seien und verschiedene Verbände fordern eine Strafsteuer auf zu große Wohnungen, insbesondere wenn diese von Singles bewohnt werden. Ziel solcher Maßnahmen ist es, eine gerechtere Verteilung des Wohnraums zu erreichen, da besonders Familien oft keine bezahlbaren großen Wohnungen oder Häuser finden.

Aktuell befinden wir uns noch auf der Diskussionsebene; konkrete Gesetzesentwürfe sind noch nicht in Sicht. Sollte jedoch eine solche Steuer eingeführt werden, könnte dies ältere Menschen hart treffen. Viele Ältere wohnen in großen Wohnungen oder Häusern, die bereits abbezahlt sind und sehen in einem Umzug, angesichts der gestiegenen Mieten, kein wirtschaftliches Potenzial. Zudem möchten viele im Alter nicht umziehen, sondern in ihrem gewohnten Umfeld mit familiären und sozialen Bindungen bleiben.

Eine weitere Studie des Umweltbundesamtes hat ergeben, dass der Wohnraum pro Kopf im Jahr 2022 auf 47,4 Quadratmeter angestiegen ist – der zweithöchste je gemessene Wert. Mit der Verbreitung des Home-Office steigt der Bedarf an zusätzlichem Platz für Arbeitszimmer, was wiederum die Diskussion um zu viel Wohnraum pro Person und die Notwendigkeit einer steuerlichen Regulierung befeuert.

Nicht zu vernachlässigen ist auch der Einfluss der Staatsquote auf die Baukosten. Untersuchungen des „Zentraler Immobilien Ausschuss e.V.“ zeigen, dass die Staatsquote beim Bau von Wohnungen auf 37 Prozent angestiegen ist. Die hohen Kosten, die durch Notarkosten, Grunderwerbsteuer, Umsatzsteuer und energetische Anforderungen entstehen, machen den Bau teurer. Eine Deregulierung könnte hier Abhilfe schaffen und den Wohnungsbau attraktiver machen. Ohne eine solche Maßnahme wird das staatliche Ziel von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr vermutlich nicht erreicht; es ist wahrscheinlich, dass in den Jahren 2024 und 2025 nicht einmal die Hälfte dieser Zahl realisiert wird. Der Autor des Originalartikels, Sebastian Hell, ist ein Experte auf dem Gebiet der Finanzen und Immobilien und betreibt seit 2019 das Projekt „Hell Investiert“, das sich mit Geldanlage und Kapitalschutz beschäftigt.

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