Immobilienpreise sinken: Trendwende im Wohnungsmarkt?

In der aktuellen Immobilienlandschaft Deutschlands ist eine bemerkenswerte Tendenz zu beobachten: Die Preise für Häuser und Wohnungen sind im dritten Quartal durchschnittlich gesunken, wobei der „German Real Estate Index“ („Greix“), erstellt vom IfW Kiel und der Kölner ECONtribute, signifikante regionale Unterschiede aufdeckt. Besonders bei Eigentumswohnungen ist dieser Trend deutlich sichtbar. Im Vergleich zum vorherigen Quartal verzeichnen diese einen Preisrückgang von 1,5 Prozent.

Die regionalen Differenzen sind beachtlich. Während in Erfurt die Preise für Eigentumswohnungen um durchschnittlich 9,1 Prozent gesunken sind, beträgt der Rückgang in Düsseldorf 6,6 Prozent und in Münster 6,2 Prozent. Einige Städte wie Chemnitz, Potsdam und Köln erfahren jedoch sogar Preisanstiege, dort sind die Kosten für Eigentumswohnungen im Vergleich zum Vorquartal um 5,2 Prozent, 4,2 Prozent und 1,1 Prozent gestiegen.

Diese Entwicklung stellt den stärksten Preisrückgang seit über zwei Jahrzehnten dar. Betrachtet man die Spitzenwerte Mitte 2022, so sind Eigentumswohnungen in vielen Städten noch stärker im Preis gefallen. In Düsseldorf beispielsweise liegen die Preise um 17 Prozent unter denen der Boomzeiten, in Stuttgart um 15 Prozent, in Berlin um sechs Prozent und in Köln um vier Prozent. Im Durchschnitt sind die Preise für Eigentumswohnungen in den 18 betrachteten Städten um zirka zehn Prozent gesunken.

Die Lage im Wohnungsbau verschärft sich zusätzlich durch eine Zunahme von Auftragsstornierungen, die einen neuen Höchststand erreicht haben. Die Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB), gestiegene Bau- und Sanierungskosten sowie Unsicherheiten bezüglich der Anforderungen an energetische Sanierungen haben eine Zurückhaltung potenzieller Käuferinnen und Käufer bewirkt. Auch die Preise für Mehrfamilienhäuser und Einfamilienhäuser sind gesunken – um 5,9 Prozent respektive 3,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal.

Interessanterweise hat sich die Anzahl der Verkäufe im Vergleich zum Vorjahr um ein Drittel und im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2019 bis 2021 sogar um die Hälfte reduziert. Jedes fünfte Unternehmen spürt die Auswirkungen der Stornierungswelle im Wohnungsbau.

Obwohl sinkende Preise auf den ersten Blick positiv für Käuferinnen und Käufer wirken mögen, warnt das IfW Kiel vor den langfristigen Konsequenzen. Die Flaute im Neubaugeschäft ist besorgniserregend für die Konjunktur und den Standort Deutschland, da der Bedarf an neuem Wohnraum in Städten, besonders für mobilitätsbereite Fachkräfte, dringend besteht.

Dieser Artikel wurde von dem Autor des Originalartikels verfasst.

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